Zerbrechliches Zweckbündnis zwischen den einstigen Todfeinden Kenyatta und Ruto

Nach der Proklamation Uhuru Kenyattas zum Sieger der Präsidentschaftswahl, reichte der unterlegene Herausforderer Raila Odinga heute offiziell Beschwerde beim kenianischen Verfassungsgericht ein. Der bisherige Regierungschef zweifelt das Ergebnis der Wahl an, bei der es nach seiner Ansicht zu zahlreichen Unregelmäßigkeiten gekommen sein soll.

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Gleichzeitig wird die neue Partnerschaft zwischen Uhuru Kenyatta und William Ruto bei Teilen der Kenianischen Bevölkerung auch anders interpretiert.  Ein gemeinsames Bündnis der „einstigen Todfeinde“ sei „global gesehen viel zu sehr unterschätzt“, wie der politische Berater James Mwai gegenüber der internationalen Nachrichtenagentur IPS feststellt. Die beiden Politiker hätten sich zu einer „starken politischen Kraft zusammengefunden“, was viele Kenianer als eine Möglichkeit zur Aussöhnung zwischen den beiden Völkern sehen. Allerdings handelt es sich bei der Partnerschaft um ein zerbrechliches Zweckbündnis: Odinga hätte im Fall eines Wahlsiegs „sowohl Kenyatta als auch Ruto wegen Kriegsverbrechen vor Gericht gebracht“. Denn nach den letzten Präsidentschaftswahlen im Dezember 2007 sollen Kenyatta und Ruto ihre Anhänger noch gegeneinander aufgehetzt und damit den Tod von 1.300 Menschen mit verschuldet haben. Beide sollen nun sich den Vorwürfen vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag stellen.

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Die Anklage des Internationalen Strafgerichtshof gegen den Mitangeklagten Francis Muthaura wurde inzwischen zurückgezogen. Offensichtlich gibt es nicht genügend Beweise für eine Untersuchung. „Die Zeugen, die Beweise vorgetragen haben, wurden getötet oder sind gestorben, und andere weigern sich, mit dem Ankläger zu sprechen“, berichtet Ingo Bardoreck, Vertreter der deutschen Auslandshandelskammer in Kenia gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaft-in-kenia-nur-kein-aufstand-1.1621889