DIE STORY

Sportsfreunde

Dokumentarfilm Deutschland 2013
80 Minuten

Handlung:

Begonnen hatte alles mit dem Sport. Zwei Kenianer sollten die Marathonläufe in Mitteldeutschland aufwerten. Der Sportjournalist und Kenner der kenianischen Läuferszene, Robert Hartmann, schlug die Talente Paul Muigai Thuo und Isaak Kiplagat Sang vor.

„Wir haben die beiden dann so ins Herz geschlossen, dass wir sie zu Ehrenmitgliedern unseres Vereins erklärt haben,“ sagt ihr „Manager“ Peter Junge. Seither starten die beiden Kenianer kurioserweise im Trikot des Bitterfelder Sportvereins 2000. Wenn sie in der Region antreten, gewinnen sie auch. Erst war Isaak Erster und Paul Zweiter, dann umgekehrt.

Doch wer sind die schwarzen Sportfreunde eigentlich, woher kommen sie und wie leben sie dort? Peter Junge und Matthias Weise wollen es wissen und reisen nach Afrika. In skurrilen und emotionalen Episoden trifft ostdeutsche Provinz auf kenianische Armut.

Wegen der mehr als lückenhaften Englischkenntnisse radebrechen die Bitterfelder durch eine für sie fremde Welt: „Lost in translation“ auf dem schwarzen Kontinent. Da bleibt notgedrungen einiges im Ungewissen. Will die junge Frau in Nairobi, die Matthias am Anfang der Reise anspricht, etwa nur den Fahrpreis „schlauchen“, oder wie Peter sofort vermutet, auch Liebesdienste anbieten?

„Ich habe überhaupt nichts verstanden“, räumt Matthias freimütig ein. Bei dieser Episode ist die Wahrheitsfindung noch weitgehend unerheblich.

Peter und Matthias wollen in Kenia nicht nur den Alltag ihrer Freunde kennen lernen, sie wollen auch helfen. Schon lange bekommen Paul und Isaak finanzielle Unterstützung aus Bitterfeld.
Doch kommen die Gelder auch an und reichen sie aus? Ernüchterung und Sprachlosigkeit ergreifen die Reisenden, als sie die Lebensumstände von Isaak erstmals hautnah erleben.

Bei Paul wird es noch schlimmer. Er und seine Familie müssen mit den Folgen einer existenziellen Bedrohung leben: Bei den bürgerkriegsähnlichen Ausschreitungen im Januar 2008 konnten sie sich nur knapp vor einem marodierenden Mob in Sicherheit bringen. Peter und Matthias wollen ergründen, warum die Farm seiner Familie angezündet wurde, sodass Paul, seine Geschwister und seine Mutter heute im Slum hausen müssen.

Ob die Weißen nach den ethnischen Auseinandersetzungen überhaupt helfen können, und wenn ja wie, darüber gehen die Ansichten zwischen dem katholischen Pfarrer und dem Ex-Boxer weit auseinander. Im Grunde haben die beiden nur wenige Gemeinsamkeiten. Streit entbrennt darüber, wie die Hilfe aussehen könnte. Vielleicht geht es nur mit Gewalt? Das kann sich Matthias gar nicht vorstellen, Peter schon. Er will rauskriegen: Wer waren die Brandstifter? Und hat Isaak etwas mit Pauls Unglück zu tun?

Der Film nimmt die Reise der Ostdeutschen nach Afrika zum Anlass, die Geschichten dahinter zu erzählen. Er zeigt die kuriose Beziehung zwischen vier Männern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Das gilt auch für Paul und Isaak. Die sportliche Konkurrenz ist schon schwierig genug, die unterschiedliche ethnische Herkunft jedoch wiegt schwerer. Doch obwohl Paul und Isaak verfeindeten Ethnien angehören, scheint ihre Freundschaft stärker als dieser nationale Konflikt. Noch.

Wie schwierig das noch werden kann, lässt sich erahnen, wenn man betrachtet, wem die gewalttätigen Ausschreitungen in Eldoret eigentlich nützen. Gegen diese Realitäten sind die vier Protagonisten machtlos. So bringt die Reise die Einstellungen und Wünsche aller Beteiligten ins Wanken. Die Sportsfreunde werden auf eine schwere Probe gestellt.